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Frag nicht so viel Die Tide ist günstig, ich könnte wunderbar um 15.00 im Hamburger Yachthafen, wo mein Jollenkreuzer liegt, ablegen und ein Stück die Elbe abwärts segeln. Gegen 16.00 Uhr würde die Tide kentern, ich wäre dann wohl auf Höhe der Schwingemündung. Mit auflaufendem Wasser könnte ich wieder zurück segeln, und käme so gegen 17.00 Uhr wieder im Hafen an. Um 18.00 Uhr könnte ich etwa zu Hause sein und noch ein wenig an meinem Bild weiterarbeiten. Aber ein stürmischer Wind von etwa 7 Windstärken, dazu auch noch jede Menge Regen, lassen es mir sicherer erscheinen, nicht auszulaufen. Ich habe mir also ein paar Kerzen und die Petroleumlampe angezündet, nicht aus Lichtmangel, sondern aus Wärmemangel, und beschließe, es mir in der Kajüte gemütlich zu machen und meine neue Pfeife einzurauchen. Das ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür. Draußen heult der Wind durch die Masten, ruckelt am Boot und der Regen prasselt auf das Kajütendach. Drinnen kuschel ich mich in eine warme Wolldecke und warte darauf, dass die Kerzen etwas Wärme im Boot verteilen. Gefunden habe ich die Pfeife auf einem Trödelmarkt. Sie lag an einem Stand zwischen vielen anderen Pfeifen in einem großen runden Weidenkorb. Ich wühlte in dem Korb und sah mir die vielen Pfeifen an. Eigentlich ist sie mir sofort aufgefallen, ich weiß nicht warum, denn schön war sie nicht, aber etwas in ihr raunte mir zu: „Nimm mich“. Ich schaute dennoch nach, ob ich nicht eine schönere finden würde, was ich dann auch tat. Eine wunderschöne Stanwell „Tulip“, schwungvoll, handlich, leicht mit schlankem Holm und herrlich feuriger Holzmaserung. Ja, die sollte es sein. Ich weiß nicht wie es passiert ist, aber als ich den Trödler bezahlen wollte, hatte ich die Pfeife in der Hand, die mir „Nimm mich“ zugeflüstert hatte. Verglichen mit der Tulip, ein hässliches Entlein. Sie war günstig und in meiner Verwirrung habe ich sie dann auch genommen. Diese Pfeife wollte ich nun einrauchen. Über das Einrauchen macht sich wohl jeder Pfeifenliebhaber so seine Gedanken, ich mache daraus immer eine kleine Zeremonie. Erst mache ich es mir richtig gemütlich, dann betrachte ich die neue Pfeife in aller Ruhe. Sie ist wirklich sehr schlicht, hat einen, für meinen Geschmack, etwas zu langen Holm, nicht ganz symmetrisch geschnitzt, irgendwie leicht verformt. Also wirklich nicht schön, oder elegant, aber dennoch auf ihre Art interessant. Jetzt fülle ich die Pfeife, nur etwa ein Drittel, mit dem Shannon Mild & Mellow, den ich gerade rauche. Leicht andrücken, noch einmal an der Tabakstüte schnuppern und ein paar Sekunden auf das Anzünden besinnen. Der Regen prasselt immer noch auf das Kajütendach und der Wind pfeift durch die Wanten der Schiffe. Am Niedergang tropft es ein wenig, das muss ich im Winter mal reparieren. Ich lehne mich zurück und zünde die Pfeife an. Ein Streichholz, ein Zweites und die Pfeife brennt. Den aufgeplusterten Tabak noch einmal ein wenig andrücken, ja sie zieht recht gut. Doch was ist das? Der sonst so milde, leicht fruchtig duftende Tabak, fängt an zu beißen und auf der Zunge zu brennen. Scheußlich dicke Schwaden wabern aus der Pfeife heraus und ein fürchterlicher Gestank zieht durch die kleine Kajüte. Huh, ein Windstoss bläst die Kerzen aus und der Wind ruckelt und zerrt an meinem Boot. „Du hast mich gerufen!“ raunt es von irgendwo her, von überall her. In den dicken Tabakswolken, kann ich schemenhaft ein Gesicht erahnen, erst nur undeutlich, dann immer klarer aus dem Nebel heraus scheinend. Grimmig, genervt, aber auch verschmitzt, nicht gänzlich unsympathisch. Irgend etwas sagt. mir, dass ich mich nicht zu fürchten brauche, und so entfährt mir nur ein völlig überraschtes “Huch” „Was huch?“ Ungläubig schaue ich auf meine neue Pfeife, „Ja ja, da komme ich her“. Ich nehme mich jetzt etwas zusammen und frage, wer denn diese Erscheinung sei, und sie antwortet mir, sie sei Finn, der Geist meines Bootes. Die Antwort kam geduldig und freundlich, so dass ich mich traue, eine weitere Frage zu stellen: „Bist du die Gestalt aus dem Buch „In schwimmen zwei Vögel“ nach der ich mein Boot getauft habe?“ „Nein, ich bin der Geist deines Bootes, das du Finn getauft hast, der Geist, der das ist, was du in dieser Figur Finn siehst, dein Geist, besser Euer Geist, der Geist von deinem Boot und dir“. So recht verstehe ich das nicht, dennoch scheint mir diese Erscheinung wohlwollend zu sein und überhaupt nicht unheimlich, eher so wie ein alter Freund. „Du segelst jetzt schon so lange zusammen mit Finn, du hast gelernt ihn zu verstehen, zu fühlen und ihm zu vertrauen. Wenn das passiert, dann fangen die Geister alter Boote an, sich ihrem Kapitän zu zeigen. Ich will dich warnen.“ Erschreckt schaue ich diesen Geist an: „Aber wovor denn?“ Fahre nicht wie du geplant hast am Sonnabend, das wäre dein Unglück. Fahre am Sonntag, die Tide ist für dich dann genau so günstig.“ Versprich mir, dass Du nicht am Sonnabend fährst. Jetzt.“ Wie versprochen segelte ich erst am Sonntag los. Es bedurfte einiger Organisation, alles auf den neuen Termin zu legen, aber es schien, als würde dieser Tag allen Beteiligten sowieso besser passen. Wir legten früh morgens im Hamburger Yachthafen ab und segelten in den dunstigen Morgen hinein. Bald stieg die Sonne etwas höher und es wurde mein wohl schönster Törn in diesem Jahr. Die Bäume leuchteten am Ufer in ihrem farbenfrohen Herbstlaub, neugierige Seehunde begleiteten uns ein Stück und der Wind blies angenehm mild. Es war ein Genuss. Am Abend saßen dann alle, die geholfen hatten, noch etwas in gemütlicher Runde zusammen. Versonnen und zufrieden mit dem schönen Tag, paffte ich meine Pfeife. Eine andere dieses Mal. Ich fragte mich, was wohl am Sonnabend passiert wäre. Und von irgendwo her, kam ein leichter Hauch, der mir leise etwas zuraunte, das so klang wie :“Frag´ nicht so viel“
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